Und es geht weiter……. seid dabei!

20.06.20 – Wer bei diesem Datum nicht gerade heiratet, sollte sich den Termin für unsere nächste Ausstellung im Pop-Up-Atelier speichern!

Mit viel Liebe und Hingabe versuchen wir auch ohne die aktuellen Märkte ein bisschen von deren Charme zur verbreiten.

So besucht uns doch gerne beim nächsten Termin und sein ein Teil dieser schönen Idee in der Hanauer Landstr. 213 in Frankfurt. Im 3. OG über der Spielothek. Kostenlose Parkplätze im Hof! Vorderer mittlerer Eingang – Aufzug vorhanden!!  Wir freuen uns auf euch!!!

Es geht wieder los……

UND ICH BIN DABEI!!!
Und ich freu mich fürchterlich!!!
Ihr habt mich vermisst?
Ihr habt mal wieder Lust auf Afrikanische Schmuckkreationen mit einem bisschen Blingbling?
Ihr wollt endlich meinen Steampunk-Schmuck kennenlernen?
Ihr vermisst die Märkte, die es nicht geben wird?
So seid dabei! Ich würde mich soooo freuen euch wiederzusehen!!!!
Am Sa., 6.6.2020 von 13 – 20 Uhr in Frankfurt,
Hanauer Landstraße 213, 3.OG.
Im neuen Pop-Up Atelier!
Ihr seid von Herzen Willkommen!!!!!

Ich nähe für euch – und somit für Berlin

So Ihr Lieben,

wenn ihr noch eine Behelfsmaske für die nächste Zeit braucht, dann schreibt mir kurz eine Mail oder WhatsApp oder kontaktiert mich auch über Facebook.

Ich fertige individuelle Masken an, mit Laserdrucken als Besonderheit. Die Masken sind aus Baumwolle, waschbar und es liegt dann auch eine Pflegeanleitung bei. 10 Euro kosten die Masken plus Briefporto. 80 % der Einnahmen gehen an das Hygienecenter des Bahnhof Zoo Berlin.

Bleibt gesund!

Die einen oder anderen Sorgen

Ihr Lieben!

Ist es wirklich so schwer, oder sind wir einfach nicht mehr in der Lage zurückzuschalten…???? Ich glaube wir haben all den Komfort so tief in unser Leben gelassen, dass es für uns undenkbar war, dass so etwas auf uns zukommen könnte. Einschränkungen sondergleichen, ob finanziell, oder sozial.  Überall! Und doch bin ich im Vergleich zu anderen Ländern stolz auf uns, obwohl mir das Gejammer im Netz auf die Nerven geht. Ja es ist anstrengend, aber wir tun es für uns! Für uns selbst, für unsere Eltern, für unsere Kinder. Und wir werden richtig kreativ – in ganz anderer Richtung. Ich zum Beispiel habe die uralte Nähmaschine ausgegraben, mich ran gemacht, und einfach drauflos genäht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft es jetzt super und ich bin stolz, ein bisschen was beizutragen, da, wo es mehr denn je gebraucht wird.

Anschreiben von meinen Projekten haben mich tief im Herz berührt, dass neben Corona nun in Kenia bei den Schäfchen die Blauzungenkrankheit ausgebrochen ist, eins nach dem anderen stirbt, und den Menschen wieder einmal ihre Grundlage nimmt.

Dass die Obdachlosenhilfe auf viele ehrenamtliche Mitarbeiter verzichten muss, weil diese zuhause gebraucht werden, oder aus Angst nicht mehr kommen. Und dass die Verpflegung gefährdet ist. Dass dringend Spenden gebraucht werden.

So habe ich, trotz dass die Engel zur Zeit selbst ruhen müssen, deren Spardosen geleert, und ein kleines bisschen helfen können.

Und nun nähe ich noch weiter…. für Berlin, für die Helfer, für Bekannte und Freunde, die Masken gegen Spende tauschen. Wollt auch ihr dabei sein, so schreibt mir! Ich freue mich auf eure Nachricht.

Bleibt gesund und schaut aufeinander!  Bis bald!

Bestellungen in ausstellungsfreier Zeit

Ihr Lieben!

Auch meine Ausstellungen muss ich auf unbestimmte Zeit ausfallen lassen. Das ist natürlich traurig und nicht schön.

Gerne biete ich euch aber Bestellungen an, nach Absprache der zur Verfügung stehenden Schmuckstücke. In dieser ausstellungsfreien Zeit erhaltet ihr bis Ostern auf meine Afrikanischen Schmuckkreationen einen Rabatt von 10 % und eine portofreie Lieferung ab einem Bestellwert von 40,00 Euro. Darunter fallen Portokosten von 3,90 Euro innerhalb Deutschlands (Ausland auf Anfrage) an.

Ostern steht vor der Tür und vielleicht sucht ihr noch eine Kleinigkeit für ein Osternest – das würde mich sehr freuen. Meldet euch gerne via Facebook,       E-mail, oder Telefon bei mir.

Ich wünsche euch und euren Familien alles Gute! Mögen wir die schwierige Zeit alle gut überstehen. Gott schütze uns!

Herzliche Grüße, eure Petra Stüwe

Lady_Steam_Berlin

….. unter diesem Namen gibt es ab 9.3.2020 im PopUp Label Shop: Vielfach Berlin -Das Kreativkaufhaus- eine eigens dafür entworfene Kollektion an Steampunkschmuck in schöner Auswahl. Alte Amerikanische Taschenuhren haben mit meiner Resinkunst ein zweites Leben bekommen. Auf meiner gleichnamigen Instagram Seite könnt ihr alle meine Werke sehen – und mich auf eine ganz andere Weise……

Eine Kette… mehrere Möglichkeiten

Endlich melde ich mich mal wieder…. JA!

Das Jahr hat nun schon seinen zweiten Monat erreicht und es war viel los bei mir. Aber ich muss auch mal wieder hier fleißig sein! Vergangenen Freitag war Messe, und ich traf meine geliebten Händler wieder, und habe viel wunderbares mitgebracht. Und diese hier hat es mir angetan; und so habe ich mich gleich an die Arbeit gemacht. Wie ihr wisst, sind die meisten „besonderen Ketten“ Einzelstücke – diese gibt es auf Wunsch aber auch ein zweites mal…… Zu tragen ist sie auf unterschiedliche Weise, aber seht selbst:

Akazienholz in drei Farben mit Hämatitblättchen und einem Mega Magnet-Verschluss! Ein Armband in kleinerer Ausführung gibt es auch.

 

Spendenstart super angelaufen!

Wir freuen uns sehr, dass wir in so kurzer Zeit ein so gutes Ergebnis erzielen konnten und in der ersten Dezemberwoche bereits 1.273 Euro an das Hygienecenter am Bahnhof Zoo Berlin überweisen konnten. Und am 10.12. hatten wir einen persönlichen Termin mit Führung Vorort. Ein wundervolles Projekt, sauber, ordentlich, organisiert, dank vieler ehrenamtlicher und fleißiger Helfer. Natürlich gibt es auch fest angestellte Menschen, die das ganze mit viel Herz und Empathie zusammenhalten. Einer davon war Ralf, der uns den Tagesablauf in allen Einzelheiten schilderte und uns durch die Räumlichkeiten führte. Vor drei Jahren hat die Bahn Geld in die Hand genommen, was sie nicht hätte besser anlegen können. Für „ein Stück Himmel am Bahnhof“. Duschen, drei mal am Tag die Möglichkeit etwas zu Essen, Kleidung, auch mal einen Schlafsack und immer ein offenes Ohr. Einmal monatlich kommt ein Friseur, eine Fußpflege, und wenn Not ist, wird ein Arzt gerufen. Die Junkies sind heute nicht mehr das Problem wie früher am Bahnhof Zoo – wie zu Zeiten von Christiane F. Nein, die einfache Obdachlosigkeit, und vor allem, die psychische Situation der auf der Straße lebenden, damit leidenden Menschen, die manchmal halb aufgefressen von Maden schon keinen Schmerz mehr empfinden und einen Arzt für nicht nötig halten….. Mir stockte ein paar mal der Atem bei Ralfs Erzählungen. Fünf Duschen stehen den Männern, zwei den Frauen zur Verfügung. Und nach jedem Duschgang wird von einer Putzfrau (72 Jahre, mit viel Freude dabei) ordentlich durchgeputzt. Erst dann kommen die nächsten dran. Und immer gibt es am Anfang ein Handtuch, Unterwäsche, eine Zahnbürste, ein Einwegrasierer, und Duschgel/Shampoo. Kleine Übergriff-Versuche sind nicht ausgeschlossen, aber das Personal weiß damit umzugehen. Ja, es gibt Tage, da hängen dann auch mal Fäkalien an den Wänden der Dusche…. dann wird ordentlich gereinigt und alles ist wieder gut. Die Straße macht dich fertig…. Manche fragen sich, ob so ein „Betüddeln“ überhaupt sinnvoll ist. Ich sage ganz klar „JA“ , denn sie haben so viele unterschiedliche Schicksale, dass ich darüber nie urteilen würde.

Zum Abschied haben wir uns bei den fleißigen Helfern mit Engelchen verabschiedet – wie sonst – und die Freude der Anerkennung war groß.

Wir werden wiederkommen, ganz bestimmt! Diesmal hatten wir Plätzchentüten vor der Tür und rund um den Bahnhof verteilt. Wir haben Basti getroffen, dem in der Nacht der Schlafsack angezündet wurde – er hatte Glück, kam mit Verbrennungen an den Händen davon. Die zwei Schlafsäcke, in denen er steckte, waren hinüber. Seine äußeren Wunden ließ er versorgen – die inneren…… Für die nächste Nacht war nur noch ein Sommerschlafsack zu haben. Es brach mir das Herz. Was ist aus unserer Welt geworden? Was für kranke Seelen zünden nachts Menschen an? Wir werden nicht aufhören mit ihnen zu reden, ihnen ein bisschen beizustehen, ihnen ein Ohr schenken – das ist so viel wert!

Katharina…..

Katharina war 43 Jahre und kam mit ihrem Mann vor 20 Jahren aus Polen, ein Land, für welches sie sich schämt, kümmert sich das ach so katholisch gelobte mehr um seinen politischen Aufstieg und sozial schwache rutschen in die Hölle, so sagt sie. Soziale Unterkünfte verfügten meist nicht einmal über fließendes Wasser, auch heute noch. Nie hatte sie überlegt zurück zu gehen. Obwohl sie sich bestimmt mehr von unserem Land erhoffe. Und so ist es doch eigentlich unvorstellbar so viele lange Jahre auf der Straße zu leben. Oder in Notunterkünften im Winter. Katharina hat die Hoffnung nie aufgegeben, wohl auch, weil sie immer ihren Mann zur Seite hatte. Sie weiß, dass viele Osteuropäer das große Leben in Deutschland suchen; es gibt sogar eigens Anlaufstellen nur für diese Osteuropäischen Bedürftigen. Und da reden wir nicht von den miesen Schleuserinstitutionen, die mit gefälschten Papieren, Geburtsurkunden nicht vorhandener Kinder und falschen Arbeitsverträgen die Menschen für ihren eigenen Geldbeutel unseren Staat ausbeuten lassen. Nein, wir reden von Menschen, die keine Perspektive mehr haben und dafür bereit sind, den Preis auf unseren Straßen in Kauf zu nehmen, der im Vergleich paradiesische Züge hat.

Nur die Realität sieht anders aus. Katharina wusste von Anfang an, dass sie mindestens fünf Jahre einen Wohnsitz nachweisen musste, für den sie natürlich auch selbst aufzukommen hat, um soziale Leistungen erhalten zu können. Aber das fand sie auch richtig so! Das betonte sie! Nur da beginnt für alle der Teufelskreis. Keine Meldeadresse, keine Papiere – kein Arbeitsvertrag!!! Kein Arbeitsvertrag, keine Wohnung, …… Nach 16 Jahren habe sie dann Hilfe von einem Sozialarbeiter bekommen, einem Türken, so sagte sie schmunzelnd….. Der wäre so wunderbar bemüht um Menschen wie sie, arbeite für Phsychosozialcenter Wulata in Marzhahn Hellersdorf, dort gab es Halt und Hilfe – und nach nun vier Jahren habe er es geschafft, vier Wände für sie und ihren Mann zu organisieren! Seit zwei Monaten haben sie jetzt eine „Meldeadresse“! Sie war soooo stolz. Doch da sieh keinen Arbeitsvertrag nachweisen kann, muss sie nun mit Hilfe des Sozialarbeiters vor das Sozialgericht ziehen. Viel lieber hätte sie einen Job mit Vertrag, sie würde alles tun. Einen Job hat sie ja irgendwie….. Katharina und ihr Mann  verkaufen die Obdachlosenzeitung Kompass. Diese kostet 1,50 Euro, welche sie voll behalten darf. Ok, aber jetzt widerspricht sich das System. Sie verkauft das, darf das Geld behalten, hat aber keinerlei Vertrag, keine Krankenversicherung….  steht trotzdem nicht als Schwarzarbeiter da, weil es eine Gutmenschsache für Bedürftige ist? Katharina kann nie wissen, ob sie an einem Tag fünf, zehn oder auch keine Zeitung verkaufen.

Nach Angaben der Herausgeber, und diese Angaben habe ich aus der neusten Ausgabe, verkaufen 250 „fleißige“ Verkäufer/innen innerhalb weniger Wochen 20.000 Stück, garantiert. Diese erwirtschaften abzüglich der Investitionskosten von 2.000 Euro insgesamt 28.000 Euro. Diese geteilt durch die 250 Verkäufer/innen = 112 Euro monatlicher Verdienst für den Einzelnen. 

Das lassen wir nun einmal so stehen, da man diese rund 75 Zeitungen auch erst mal an den Mann/die Frau bringen muss. Viel oder nicht viel, aber für Menschen wie Katharina zum einen eine Aufgabe und zum anderen Achtung vor sich selbst, weil eben selbst erarbeitet. Die Verkaufsstelle bekommt sie zugewiesen. Sie hat Glück, meinte sie, der Bahnhof sei ein guter Platz.

Und selbst die Fahrtkosten zu ihrem Verkaufsplatz muss sie selbst aufbringen, im sozialen System bekäme sie die gestellt. Aber sie ist stolz, diese Arbeit (in meinen Augen das falsche Wort dafür) zu haben. Als wir sie fanden, und wir hatten praktisch nach ihr gesucht, weil ich unbedingt so eine Zeitung kaufen wollte, war sie wie ein kleiner Flummi vorm Hauptbahnhof unterwegs. Sie sprach die Leute an, wollte keiner kaufen, sprang sie weiter. Wir hatten fast Mühe sie einzuholen. Irgendwann rief ich einfach „Stop! Ich hätte gerne eine Zeitung!“ Sie war total erstaunt, angesprochen hatte sie noch keiner, und so fanden wir ins Gespräch. Anfangs war mir gar nicht bewusst, dass sie eine Bedürftige war. Sie war sauber und ordentlich gekleidet, hatte einen grünen Parker an, ihr blondes leicht welliges Haar war zu einem Zopf gebunden. Sie war klein, schmal und wirkte gepflegt. Daher fragte ich auch erst irgendwie komisch, wie sie denn zu dem Verkauf dieser Zeitung käme, ob sie dort arbeite…. dann erzählte sie uns ihre Geschichte. Sie sah sich immer mal wieder um, manchmal zu ihrem Mann, der etwas weiter auf der anderen Seite seine Zeitungen anbot. Aber auch zu einem, vor dem sie etwas Angst zu haben schien. In Berlin gibt es eine weiter dieser Zeitungen, die „motz“. Diese wird am Bahnhof aber in ihren Augen von einer Art Bande verkauft. Katharina erzählte, wie kriminell sie wären, Leute bedrängen und oft bestehlen. Wenn sie erwischt würden, dann gingen sie halt eine Zeit ins Gefängnis und wenn sie rauskämen, seien sie eben wieder dort. Sie kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Auch sie und ihren Mann wollten sie schon hier vertreiben, und haben ihnen gedroht. Als das zu weit ging, hatte Katharina die Polizei geholt, seitdem halten sie sich etwas zurück. Und genau diese Menschen verurteilt auch sie, wie Matthias. Kriminelle gehen gar nicht, und die hätten in diesem Land nichts verloren. 

Bei unserem Abschied gaben wir auch ihr noch etwas Geld, schließlich hätte sie ja jetzt so lange bei uns gestanden und konnte in dieser Zeit keine Zeitung verkaufen. Sie wollte es erst nicht annehmen, aber ich sagte, es sei in Ordnung. Sie wünschte uns alles Gute, ganz ganz viel Gesundheit, das sei so wichtig! 

Wir haben in zwei Tagen zwei ganz verschiedene Menschen kennengelernt. Und doch tragen sie irgendwo das gleiche Schicksal. Sie waren in ihrem Leben einfach irgendwann an einem Punk, wo das Glück sie verlassen hatte. Aber sie haben sich selbst nie aufgegeben. Wo es für Matthias keinen Weg mehr zurück gibt, weil er das Leben so angenommen hat, so hat Katharina ihre Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sie hat immer noch Ziele und immer einen Plan B der Hoffnung in ihrer Tasche. Vielleicht sehen wir sie im Dezember wieder, wir werden Ausschau nach ihr halten. Ich werde ein Weihnachtsgeschenk für sie einpacken. 

Ein Stück Himmel am Bahnhof

Und dann sah ich ihn, sprach ihn freundlich an. Auf die Frage wie es ihm ginge, meinte er, es ginge ihm gut – wirklich! 

Matthias am Bahnhof Zoo!

Wahrscheinlich hatte ich eine andere Antwort erwartet. Etwas trauriges, schutzloses, verbittertes….. nein.

Ein mit sich in Frieden lebender Mann. Ruhig, ausgeglichen, irgendwie entspannt. Als ich ihn fragte, ob er sich ein normales Leben zurück wünscht, eine Wohnung, Unterstützung…   Nein! Er könne nicht mehr zurück in ein soziales Umfeld, gefühlt eingesperrt in vier Wände, in ein System, welches er für falsch hielt. Allein das Wort Sozialhilfe sei in seinen Augen abwertend. In Österreich würde man es Grundsicherung nennen. Das sei menschenwürdiger.

Matthias wirkte sehr gebildet. In all den Jahren war er viel unterwegs gewesen. Er sah sich als Clochard, das sei das „französische“ Wort für Penner meinte er und schmunzelt.

Ich habe ihn nicht nach seinem Alter gefragt, aber wahrscheinlich war er mindestens zehn Jahre jünger als es schien – so um die 50. Er trug einen schwarzen Hut mit einem ganz schmalen Band in den französischen Farben – vielleicht von seinen Reisen früher – daran erkennen ihn die meisten, meinte er. Er hatte einen Bart und war von seinem harten Leben gezeichnet. Seine Augen waren warmherzig, eines hatte etwas Eiter am Tränenkanal. Er saß auf dem Boden, mit einem ausgestreckten Bein. Das linke Hosenbein fehlte, stattdessen hatte er einen beigen grobgestrickten Schal vom Oberschenkel bis zur Wade darumgewickelt und verknotet. Ich sprach ihn nicht darauf an. Sein schwarzes buntbedrucktes T-Shirt ragte nicht ganz über den Bauch. Er zog es ab und zu etwas darüber. Eine schwarze kurze Jacke war von einer Art Flagge bedeckt, wie ein Schutz über seinen Schultern. Ich konnte nicht erkennen woher sie war . Irgendwas in weiß und rot. Er roch leicht nach Bier, nicht stark. Eine leere Flasche stand neben seinen paar Habseligkeiten. Ebenso eine leere Mate-Teeflasche. 

Wie die Menschen auf ihn reagieren würden, fragte ich ihn. „Man darf nichts erwarten, dann wird man auch nicht enttäuscht.“ Das war sein Leitsatz für`s Leben. Es sei sehr unterschiedlich. Einmal habe ihm jemand eine riesige Pizza gebracht, das war toll. Die einen gehen vorbei, ein paar lassen etwas Geld da. Matthias hatte weder ein Gefäß zum Sammeln aufgestellt, noch auf einem Schild um Geld gebeten, wie man es oft sieht. Als ich ihn ansprach habe ich ihm einfach zwei Euro in die Hand gedrückt, und mich bei die Frage, wie es ihm gehe, hingekniet. Ein Gespräch auf Augenhöhe beginnen, das war mir wichtig. Nach zwei Minuten habe ich mich einfach zu ihm gesetzt, mitten auf den Gehweg vorm Bahnhof Zoo. Er sah zu Michael auf und ich stellte ihm meinen Mann vor, reichte ihm die Hand und sagte ihm meinen Namen. Seine Hände waren leicht schmutzig, die Fingernägel kurz und….. als hätten sie in der Erde gegraben. Sein Händedruck war stark und man merkte, das kam nur selten, wenn überhaupt vor. Es freute ihn. So saßen wir nun zu dritt auf dem Boden in der Sonne, Matthias legte sich gestürzt auf seinen Arm nach hinten. Ich habe Matthias immer gesiezt, die ganze Zeit, ich wollte dass er merkte wie respektvoll ich war. Es war interessant zu beobachten wie uns die vorbeilaufenden Leute ansahen. Einige sehr verwundert, ein anderer fand es wohl bemerkenswert. So saßen wir eine ganze Weile und hatten wirklich ein schönes Gespräch. Auf die Frage, wie lange er schon so lebte, dachte ich erst er wolle der Antwort ausweichen, aber er fand sich schon immer irgendwie allein, erst als Schlüsselkind, dann Ausreißer, seit der Kindheit. Ich ließ es so stehen. Er habe viele Orte, an denen er sich heute aufhält. Auch bei einem Bekannten könne er mal schlafen, aber das täte er selten. Er ist gerne allein. Er lebe jeden Tag, so wie er kommt, es gäbe viele Möglichkeiten. Nur kriminelle verabscheue er. Jeder könne betteln, selbst die reichen, und danach könnten sie um die Ecke in ihren Mercedes steigen. Das sei ihm egal, es mache für ihn keinen Unterschied – Hauptsache niemand sei kriminell, wie manche Banden.  Er habe sich vor ein paar Wochen wo ein Buch angesehen, über Pilze. Seitdem sammle er welche zum Essen. Er sei sich auch nicht zu schade in Mülleimer nach Flaschen zu wühlen. Und betteln,  ja so viel er halt zum Leben bräuchte. Er war sehr genügsam, es sei nicht viel. Irgendwie kommt man immer hin.

Zwischendurch hielt ich inne, wir sahen uns einfach nur an. Er lächelte….. Er schreibe seit zehn Jahren an einem Buch, sagte er (was hätte ich es gerne gesehen).

Und der Winter, meinte ich, ob er da in eine Notunterkunft ginge….. Niemals! Er sei zur Zeit dabei sich eine wie er es meinte Blockhütte zu bauen irgendwo außerhalb. Ob das so stimmte….. Aber es sei auch kein Problem, man müsse sich nur zu helfen wissen. Man gräbt sich eine Mulde, lege Alufolie, Stöcke und Laub darauf und lege sich hinein. Und wenn es richtig kalt würde, baut man sich einen Miniofen aus einer Konservendose mit einem kleinen Rohr nach außen und nimmt das mit in seine Mulde und decke sich zu. Bis -30° sei das überhaupt kein Problem. Wie gesagt, man müsse sich nur zu helfen wissen. Er hatte wohl hunderte solcher Ideen. Ja er habe auch eine 23-seitige Liste, wo man welche Hilfe bekam. Da ginge er auch mal zum Essen hin, oder in die Kleiderkammer, und ja, auch zum duschen. Ein paar Stellen gäbe es ja. Als ich nach dieser hier am Bahnhof fragte, erklärte er uns genau den Weg. 

Wenn er sich beschreiben würde,  was wäre er fragte ich. Ein Krieger, ein Kämpfer oder ein Überlebender?

„Ein Reisender“, sagte er. Ich musste schmunzeln und meinte er habe aber nur diese drei Möglichkeiten. Dann sei er ein Überlebender. Ich schenkte ihm darauf hin diese beschriftete Dog Tag. Er freute sich sichtlich darüber und sagte: I`m a survivor!! Ja das war er!!!

Ich drückte ihm am Ende noch einen Geldschein in die Hand – er freute sich sehr. Ich dankte ihm für das schöne Gespräch. Er hatte sich wirklich gefreut, dass wir uns einfach mal Zeit für ihn nahmen. Seine Augen glänzten und wir ließen ihn zurück. Wahrscheinlich sehen wir ihn nie wieder….

Wir machten uns auf, rund um den Bahnhof.

Und auf der Rückseite ganz hinten nach der Unterführung fanden wir sie…. da standen Gottes vergesse Kinder. Es war ein Dreckeck und es roch nach Urin. An einem Baum waren Blumen und Kerzen niedergelegt, ein Backstein mit der Aufschrift Bad + Joe. Wir gingen weiter, ich wollte wissen, wo sie war, diese einzige hygienische Möglichkeit weit und breit. So viele fragende Augen, verschiedene Nationalitäten, verwunderte Blick was wir zwei da wollten, hätten wir auch auf der anderen Seite der Straße gehen können. Und da war sie, eine Glastür mit der Aufschrift: „Ein Stück Himmel am Bahnhof“ 

Unterhalten von der Stadt- und Bahnhofsmission, wo man mit frischer Unterwäsche, einem Handtuch und Duschgel ein Stück Würde zurück bekam. Gerne hätte ich mit den Helfern dort gesprochen, aber in diesem Moment und bei dem Auflauf von Bedürftigen war das in meinen Augen unmöglich. Und auch nicht mehr nötig. 

Später im Bahnhof sahen wir zwei ältere Damen mit Sammeldose und Süßigkeiten für Spendierfreudige. Wir warfen auch Geld ein und ich bat lediglich nach einem Flyer. Wir lobten die Arbeit und hatten ein kurzes Gespräch. Immer wieder kamen Leute von selbst auf die Frauen zu und warfen Scheine und Münzen ein. 

Ich glaube, dass diese Stelle es wert ist, als mein erstes Projekt zu unterstützen. Hier stellt man keine Fragen, man sieht mit dem Herzen und gibt den Menschen ein Stück ihrer Würde zurück! 

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